Einführung in die Musik- und Chorgeschichte
Aus Freude an der Musik singen viele Menschen in einem Chor mit. In der Gemeinschaft mit anderen Sängern und unter der Führung eines erfahrenen Chorleiters haben sie oft ein großes und unmittelbares Kunsterlebnis; besonders wenn das Publikum bei öffentlichen Auftritten gute Leistungen mit viel Beifall anerkennt.
Die Kunst des Chorsingens geht auf jahrhundertealte Traditionen zurück. Die Anfänge der Musik stammen aus dem Lebensprozess der Naturvölker.
Aus der urtümlichen Emotionsäußerung dienten Elemente der Artikulation zur Verständigung der Menschen untereinander als Warnrufe, Signale, Rufe des Schmerzes oder der Freude.
Aus diesen Schreien der Angst, dem Gebrüll zur Erschreckung wilder Tiere oder Stammesfeinde, aus Wehklagen oder Forderung an die feindlichen unerklärbaren Naturgewalten hat sich aus den unorganisierten Tönen durch Heben und Senken der Stimme eine Art Sprachmelodie gebildet. Durch unterschiedliche Tonhöhen, langsame oder schnelle Lautäußerung sowie Tonwiederholungen entsteht ein gewisser Rhythmus. Somit ist der einfachste künstlerische Akt der Musik vollzogen.
Verfolgt man die Entwicklung der Musikgeschichte, so findet man um 600 bereits Formen des einstimmigen latainischen Gesanges, die auf die Frühzeit der christlichen Liturgie zurückgehen.
Durch die enge Verbindung des Papsttums mit den fränkischen Kaisern wurde die Gregorianik zum ersten einheitlichen Musikstil in Europa.
Mit der Stabilisierung der weltlichen Macht gegen Ende des Jahrhunderts entwickelte sich mit den Rittern ein bedeutender eigener Stand, der im 13. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte und auch noch danach die Lebensformen mitbestimmte. Im Gegengewicht zur immer noch beherrschenden Stellung der Kirche entstand auch eine eigenständige Musik.
Etwa 100 Jahre später begann in Deutschland die Zeit der Minnesänger als Ausprägung ritterlich-höfischer Lyrik. Die Minnesänger waren zugleich Dichter und Sänger ihrer Lieder und begleiteten sich selbst auf einer Fidel oder einer kleinen Harfe.
Mit dem Niedergang des Rittertums verlagerte sich das musikalische Leben immer mehr in die aufblühenden Städte und fand dort eine vielfältige Entwicklung. Eine besondere Ausprägung bildeten die Meistersingerzünfte. In den oft weitberühmten Singschulen trafen sich Sänger und Dichter, die neben ihrer handwerklichen Tätigkeit zunächst die Pflege der von den Minnesängern gesungenen Melodien übernahmen, bald aber dazu übergingen, eigene Lieder zu schaffen.
Hans Sachs gilt als bedeutendster Vertreter dieser Dichter-Komponisten.
Nach der Blütezeit vom 14. bis 16. Jahrhundert kam der Verfall der Meistersingerzunft.
Nicht zu vergessen sind die mittelalterlichen Spielleute, die bei Festen in Städten und Dörfern einschließlich aller Kunststücke zur allgemeinen Unterhaltung beitrugen, ebenso die Vaganten, auch fahrende Gesellen genannt, die lieber frei umherzogen, als sich an Ämter zu binden.
Die ältesten Zeugnisse von Liedern des Volkes sind erhaltene Texte oder Berichte.
Ander Weisen erhielten sich durch das Unterlegen neuer geistlicher Texte und vergrößerten somit die Zahl der deutschspracheigen Lieder für den Gottesdienst - eine wichtige Forderung der Reformation.
Bis ins 18. Jahrhundert hinein war die Chormusik weitgehend an die Kirche gebunden.
Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel fassten in Kantaten, Motetten, Oratorien die Entwicklung der Chormusik bis zu ihrer Zeit zusammen.
Auch die Gemeinde Mühlbeck kann auf einen bedeutenden Meister der Kirchenmusik verweisen; den am 15. September 1685 in Mühlbeck geborenen Gottfried Kirchhoff.
Er besuchte in Halle zusammen mit dem gleichaltrigen Händel dasselbe Stadtgymnasium. Beide nahmen beim Musikdirektor Friedrich Wilhelm Zachau Musikunterricht. Händel verließ 1703 Halle, während Gottfried Kirchhoff in seiner Heimat blieb und bis 1709 Schüler von Zachau war. Gottfried Kirchhoff war nach seiner Ausbildung als Kapellmeister am Hof von Hollstein-Glücksburg und später als Organist an der Marktkirche St. Benedikt in Quedlinburg tätig. Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm Zachau bewarb sich neben Johann Sebastian Bach auch Gottfried Kirchhoff um die Nachfolge als Musikdirektor und Organist der Marktkirche zu Halle. Nachdem Bach wegen des niedrigen Gehaltes abgelehnt hatte, wurde Gottfried Kirchhoff für dieses Amt auserwählt. Zu seinem vertraglich festgelegten Aufgabengebiet gehörte nicht nur das Spielen der Orgel, sondern auch das Unterrichten von Schülern sowie die Leitung des Stadtchores.
Zu der Einweihung der neuen Orgel für die Marktkirche Halle komponierte G. Kirchhoff 1716 zwei Kantaten, die leider nur noch textlich überliefert sind.
Bei der Einweihungsfeier lernte Gottfried Kirchhoff auch den inzwischen in Weimar ansässigen Johann Sebastian Bach persönlich kennen. Während seiner Schaffenszeit in Halle wurde Kirchhoff noch oft vor große Herausforderungen gestellt. Er komponierte zahlreiche Kantaten, Orgelchoräle und Instrumentalstücke. Bis zu seinem Tode am 21. Januar 1746 pflegte Gottfried Kirchhoff enge Kontakte zu seiner Familie und auch zu seinem Geburtsort Mühlbeck.
Im 19. Jahrhundert nahm die weltliche Chormusik einen großen Aufschwung. Bereits um 1800 wurden vom Bürgertum erste Laienchöre gegründet. Carl-Friedrich-Christian Fasch baute die erste Singakademie auf und Friedrich-Carl Zelter seine Liedertafel. Für diese Einrichtungen entstand neue Chormusik von alten Meistern, wie Robert Schumann, Johannes Brahm und vielen anderen bedeutenden Musikern.
1819 wurde durch F.-C. Zelter die Magdeburger Liedertafel gegründet. Ihr folgte 1821 die Dessauer Liedertafel, 1844 wurde daraus der Anhaltische Sängerbund.
Im 20. Jahrhundert wurde der Pflege der Chormusik noch größere Bedeutung beigemessen. Für Berufs- und Laienchöre mit hohem Leistungsniveau schufen die Komponisten neue Werke. In vielen Städten bildeten sich Singakademien.
Der Thomaner- und der Kreuzchor wurden international beachtet. Volks- und Massenlieder in Chorbearbeitung erfreuten sich großer Beliebtheit.
Als Volkslieder bezeichnen wir diejenigen Lieder, die von weiten Bevölkerungsschichten gesungen und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dabei haben sich in jedem Volke typische Intonationen herausgebildet, die dem Volkslied seinen nationalen Charakter verleihen. In ihrer inhaltlichen Bedeutung bildeten kulturelle Situationen der Geschichte die Grundlage des Musikschaffens aller großen Epochen der Musikgeschichte.